Geschichte von Friedingen

 

 Schloßgrafik

Der ersten urkundlichen Nennung im Jahre 1090 geht eine längere örtliche Geschichte voraus. Friedingen war damals als Ort schon etwa 500 Jahre alt. Ein Bronzedepotfund und 3 hallstattzeitliche Gräber (8. bis 6. Jahrhundert v. Chr.) weisen auf eine uralte Besiedlung hin; ebenso wie die meisten unserer Berg- und Flussnamen, die vorgermanischer (keltischer) Herkunft sind.

Im Jahre 15 v. Chr. eroberten die Römer auch unser Gebiet und blieben hier bis ins vierte nachchristliche Jahrhundert. Die römische, überwiegend friedliche Herrschaft hinterließ bleibende Spuren in Landwirtschaft und Gartenbau; insbesondere beeinflussten die Römer unsere Sprache, was im Dialekt heute noch beobachtet werden kann:
        Chänner = canna = Rohr, Dachrinne;
        Chriesi, cerasus = Kirsche
und anderes mehr.

Die im Jahre 213 n. Chr. erstmals genannten Alamannen, ein kriegerisches, unruhiges Volk, stießen erst seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach wechselvollen Kämpfen bis zur oberen Donau vor und überschritten 298 n. Chr. zum ersten Mal den Rhein bei Basel. Zur Zeit der Kämpfe zwischen Römern und Alamannen in der Mitte des 5.Jahrhunderts war die erste kriegerische Landnahme der Alamannen im Hegau bereits abgeschlossen.

Nun beginnt die friedliche alamannische Landnahme, wobei in der Regel römische Gehöfte und Siedlungen gemieden und dem Verfall überlassen wurden. Mit Vorliebe siedelten die Viehzucht und Geflügelzucht treibenden Alamannen auf trockenem Gelände mit guten Ackerböden über den feuchten Niederungen.

In Friedingen war das eine 15 bis 60 m über der Talsohle der Aach liegende Terrasse vor dem Schloßberg. Ihre ältesten Siedlungen, unter denen man sich Einzelgehöfte, allenfalls kleine Weiler mit 20 bis höchsten 50 Personen vorstellen muß, sind alle kenntlich an der "...ingen"- Endsilbe. Der patronymisch gebildete Ortsname, benannt nach dem Vorstand des Familienverbandes Frido (Koseform aus Fridrich, Fredegar, Friduhelm, Fridubert o.a.), bezeichnet die Bewohner einer Siedlung, die miteinander verwandt, aber auch nur als sozial und wirtschaftlich voneinander Abhängige miteinander verbunden sein können. In der Regel ließ sich ein einzelner freier Alamanne mit seiner Familie und seinen Hörigen, "Leibeigenen" nieder. Aus diesen Familien erwuchsen im Laufe der Zeit die Sippen an einem Ort. Die Friedhöfe der ältesten vier Dörfer sind - so auch in Friedingen - bekannt, nicht jedoch die dazugehörenden Siedlungen, die, aus Holzhäusern mit Stroh- und Schilfdächern bestehend, dem Verfall oder der Zerstörung ausgesetzt waren. Die Hausplätze wurden immer wieder überbaut.

Zeitlich liegt die Gründungsphase der -ingen- Orte im 5. bis 7.Jahrhundert mit Schwerpunkt um 600/650; der Höhepunkt dürfte in der Merowingerzeit (Sieg der Franken über die Alamannen 496 in der Schlacht bei Zülpich) erreicht worden sein. Im Hegau hat man für diese ältesten Siedlungen eine mittlere Gemarkungsgröße von 1.077 ha ermittelt; Friedingen: 990 ha.

Einen deutlichen Hinweis auf eine in der Merowingerzeit erfolgte Gründung von Friedingen liefert der Kirchenpatron St. Leodegar, der zu den fränkischen Reichsheiligen gehört, von seinem Martyrium erzählen die 1964/1965 wiederentdeckten spätgotischen Fresken (um 1500) im Untergeschoß des Chorturms der Pfarrkirche . In dem Zusammenhang erscheint der Fund einer "Franziska", einer fränkischen Wurfaxt in einem alamannischen Gräberfeld hinter dem Kelhof aufschlussreich; es war übrigens die erste Waffe dieser Art, die im Hegau gefunden wurde

Als Keimzelle des späteren Haufendorfes gilt allgemein der in zwei Höfe aufgeteilte einstige Kelhof neben der Kirche (bis Gasthaus Adler und Sebastianskapelle) im Mitteldorf zwischen Kirche und Gasthaus Kranz sowie dem Gebiet mit dem seltsamen Namen "Um den Stock". Mit zunehmender Bevölkerung entstanden ebenfalls schon früh das Unterdorf (Ortsquartiere "Im Winkel" und "Im Zinken" mit den ältesten Friedinger Häusern) sowie das aus einer Gehöftegruppe an der Gabelung der nach Singen und Böhringen führenden Straßen erwachsene Außerdorf. Das Oberdorf breitet sich ca. 200 m nördlich der Kirche ab Beurener Str.25 und Friedhofstraße aus. Der Ortsteil Hilline am Ende der Beurener Straße und "Am Mühlenweg" entstand erst im 19.Jahrhundert. Es lässt sich häufig beobachten, daß diespäteren Haufendörfer aus mehreren Kernen zusammenwuchsen, vielfach begünstigt oder verursacht durch den Bau einer Kirche.

Zu erwähnen sind ferner zwei abgegangene Siedlungen "Dirishofen" und "Hondorf", beide sehr alt, obwohl erst spät urkundlich fassbar. "Dirishofen", hinter dessen Bezeichnung sich der Personenname Thur (anord. thora = wagen) und "veald" = ahd. waltan, was herrschen oder walten bedeutet, verbirgt, ist erst im 15. Jahrhundert genannt; die kleine Siedlung "Thürishofen" westlich der Straße nach Böhringen ist wohl im späten Mittelalter aufgegangen.

Zeitachse